Artikel mit dem Tag "Kurzgeschichte"



„Da ham sich jetzt welche wegen Klopapier geprügelt“, nuschelt Georg Meier hinter seiner Zeitung hervor und beißt gleich nochmal von seinem Frühstücksbrötchen ab. „War sogar die Polizei da“, ergänzt er kurz darauf kauend, „leichte Verletzungen, heißt es und dass eine Anzeige wegen Köperverletzung erhoben wurde." Er legt die Zeitung zur Seite, nimmt einen Schluck Kaffee und schüttelt den Kopf. „Wat die Leute nur mit ihrem Klopapier haben, det soll man eener verstehn!“...

Im Schloss der Eingangstür dreht sich ein Schlüssel. Kater Miro hebt den Kopf und springt von seinem Kratzbaum herunter. Geschmeidig schreitet er durch den Flur auf die Tür zu, die sich jetzt langsam öffnet und maunzt. Ein Fuß schiebt sich langsam durch den Türspalt, eine Hand streckt sich hindurch und krault über Miros Kopf. In Zeitlupentempo folgt der Rest des Körpers, lange Männerbeine in alten Jeans, ein stämmiger Oberkörper in kariertem Flanellhemd und Lederjacke. Witternd...

„Und dann hat die Oma gesagt: Deutschland soll wieder Deutschland werden, weißt du, mit so einer übertriebenen Betonung auf ‘Deutsch‘. Ihre Stimme hat dabei richtig gezittert, als würde sie die Freilassung ihres Kindes aus der Kriegsgefangenschaft fordern, oder so." Antje verdrehte die Augen. „Wahrscheinlich sieht sie das auch so: Die Heimat in Geiselhaft der ausländischen Invasoren." Inga schnaubte. „Solchen Leuten würde es echt gut bekommen, wenn sie selbst mal auf der Flucht...

Wut macht müde, dachte sie und sah unter halb geschlossenen Augenlidern auf die leicht gebauschten Vorhänge, die sich sanft im Wind bewegten. Natürlich ist man nicht müde, während man wütend ist. Nicht in dem Moment, in dem der Puls durch die Decke schießt und man am liebsten riesige Felsbrocken auf das- oder denjenigen im Fadenkreuz der Wut schleudern will. Sie ließ ihre Atemluft geräuschvoll durch die Lippen entweichen. Nicht dann, wenn man sich beim Versuch, die Tonne Gestein zu...

Reiß dich mal zusammen, du Trauerkloß.“ Mit seitlich in die Hüfte gestemmten Armen und schmal zusammengekniffen, von missbilligenden Falten eingepferchten Augen sah Manja sie an. „Ich finde, du bist echt undankbar für das alles, was du hast. Du siehst gut aus, bist schlau, hast einen tollen Mann, eine süße Tochter, wohnst schön … Und trotzdem bist du nur am Jammern und Meckern.“ Manja schnaubte auf, wie ein Flusspferd, das seinen Kopf aus dem Wasser reckt und fügte etwas leiser...

Ella schlug die Augen auf und hatte einen Gedanken: Mist! Heute ist Valentinstag. Kurz blieb sie stocksteif im Bett liegen, dann drehte sie sich zur Seite und sah durch das Fenster in den Himmel. Es war nicht mehr richtig dunkel. Die ersten Ausläufer der frühmorgendlichen Helligkeit überzogen das Nachtblau bereits mit einem fahlen Schimmer. In einer Stunde würde der Himmel in diesem typischen Februar-Hellblau seine winterliche Pastellstimmung verbreiten, die kahlen Äste der Bäume als...

Elenor sah auf den Brief in ihren Händen, als glaube sie nicht wirklich, dass er zwischen ihren Fingern lag. Ihre Stirn war zerfurcht und der Blick aus ihren blassgrauen Augen war misstrauisch und ängstlich. Unsicher glitten ihre Augen über das dicht in blauer Farbe beschriebene Papier, über die kantigen, weit nach links gebeugten Buchstaben, die aussahen, als würden sie sich nur mit Mühe aufrecht halten. Als würde ein kurzes Zittern ihrer Hände genügen, um die Buchstaben zu Fall zu...

Sanft und getragen tanzten die Flötentöne durch den Garten, zogen durch die Luft, umschmeichelten zart Bäume, Blumen und Gräser. Sie waren so voller Sehnsucht und Gefühl, dass sie das Herz schwellen und die Gedanken träumen ließen. Es war wie ein Ballett von Sonnenstrahlen und Musik, für das der Garten die bunt und satt grün dekorierte Bühne war. "Da ist das Vieh", schrie da auf einmal Hannelore in einem heiseren Flüsterton und ergänzte mit aufgeregt zitternder Stimme: "Los, hau'...

Endlich hatten sie einen neuen Schrank für das Wohnzimmer. Das wurde auch Zeit. Gemütlich waren sie Hand in Hand durch die Möbel-Ausstellung geschlendert und hatten sich die verschiedenen Modelle angeschaut. Sie waren sich auch fast sofort einig gewesen. Selbst wenn Theo lieber den abgefahrenen futuristischen Schrank in Hochglanzoptik gehabt hätte. Auch Sofia hatte sich nach kurzen Diskussionen von dem wirklich absolut hinreißenden Schrank im Landhausstil verabschiedet. Sie konnte ja...

Nichts. Da tat sich rein gar nichts. Nicht einmal der Hauch von etwas. Christiane Vohwinkel starrte auf das Wasser in dem Spülbecken. Nein, nein, nein. Das konnte sie jetzt gar nicht gebrauchen. Sie versuchte mit der geballten Kraft ihrer Gedanken, das Wasser zum Abfließen zu bewegen. Ich visualisiere die Verstopfung und dann löse ich sie, dachte sie, während sie weiter unverwandt den anhaltend hohen Wasserspiegel fixierte. Fließ ab, fließ ab, fließ jetzt endlich ab! Verdammt nochmal!

Mehr anzeigen