Artikel mit dem Tag "Zyklus Einsam"



EINSAM 4: Gruß aus den Teersümpfen
„Reiß dich mal zusammen, du Trauerkloß.“ Mit seitlich in die Hüfte gestemmten Armen und schmal zusammengekniffen, von missbilligenden Falten eingepferchten Augen sah Manja sie an. „Ich finde, du bist echt undankbar für das alles, was du hast. Du siehst gut aus, bist schlau, hast einen tollen Mann, eine süße Tochter, wohnst schön … Und trotzdem bist du nur am Jammern und Meckern.“ Manja schnaubte auf, wie ein Flusspferd, das seinen Kopf aus dem Wasser reckt und fügte etwas...

An der Kasse saß wieder diese schreckliche Frau. Mit einer Figur wie ein Hefekloß thronte sie auf ihrem Stuhl und schob die Waren langsam über das Kassenband. Ihre Haut war grobporig und glänzte fettig rot. Um das Gesicht hing strähniges, matschbraunes Haar. Einzelne Strähnen waren in schrillem Pink gefärbt. In Jans Körper machte sich ein dumpfes Gefühl breit, zusammengebraut aus Widerwillen, Abscheu und Angst. Jan konnte nicht anders. Er starrte sie an. "Wird's bald", schnarrte da auf...

Sibell steht am Fenster und schaut hinaus. Der Himmel ist bedeckt, es nieselt leicht. Die Bäume stechen ihre kahlen Äste in die graue Luft. Wie schwarze Schattenbilder ragen sie vor den tristen Wohnhäusern aus dem Boden. Sibells Herz klopft heftig und laut, ihr Atem geht flach und ihre Hände zittern leicht als sie unendlich behutsam nach dem Sprengstoffgürtel an ihrer Taille tastet.

Hoch am tiefdunklen Nachthimmel steht der Mond. Groß und voll. Sein fahles, blauweißes Licht drängt durch das kleine Dachfenster und überzieht die Wände und altmodischen Möbel mit einem fremden kalten Schein. Langsam wandert das Mondlicht durch das Zimmer, tastet sich Stück für Stück zu einem schmalen Bett unter der Schräge, berührt die hoch aufgetürmte Bettdecke, unter der ein langer, dürrer Körper liegt. Die kleinen Augen in dem hageren Gesicht starren über eine große Nase...