FILMREZENSION | 31. Januar 2018

 

Napoleon Dynamite

Schräge Geschichte mit Kultfaktor

 


Napoleon Dynamite – so seltsam wie der Name der Hauptfigur ist der ganze Film. Schrullige Figuren, befremdliche Verhaltensweisen und eine bezaubernde Botschaft schaffen ein außergewöhnliches Film-Juwel.

 

Die Low-Budget Produktion von Regisseur Jared Hess spielt im provinziellen Idaho. Im Mittelpunkt steht der schlaksige und hochgewachsene Highschool-Schüler Napoleon Dynamite (Jon Heder). Mit leerem Blick, leicht geöffnetem Mund, blondem Lockenkopf und 80er-Jahre-Brille ist er die visuelle Verkörperung einer phlegmatischen Andersartigkeit. Neben seinem gewöhnungsbedürftigen Äußeren irritiert er mit mangelnder Empathie im sozialen Umgang, einem Faible für krude mystische Theorien, gelegentlichen Aggressionen und merkwürdigen Taten. Gleich zu Beginn des Films wirft er zum Beispiel eine Actionfigur aus dem Schulbusfenster, nur um sie an einem dünnen Band hinter dem Bus herzuziehen. Diese Art von seltsamen Aktionen ist typisch für die Geschichte und sorgt für eine ganz eigene Komik. Fortlaufend werden die Erwartungen des Zuschauers an eine gewisse Normalität, an sinnvolle Äußerungen, an ein vorhersehbares Verhalten und nachvollziehbare Wertvorstellungen gebrochen. Und dabei halten sich diese schrägen Figuren in all ihrer harmlosen Skurrilität selbst für vollkommen normal. Das ist verschroben, lustig und auch irgendwie charmant. Kein Wunder, dass der Film nach seinem Erscheinen im Jahr 2004 gleich mehrere Preise abräumte. Darunter zum Beispiel den MTV Movie Award 2005 für den „Besten Film“.

 

Inhaltlich dreht sich der Film um Napoleon. Er lebt zusammen mit seinem Bruder Kip im Haus der barschen, eher männlich anmutenden Großmutter. Kip, Anfang Dreißig, schmächtig, mit Brille, Schnurrbart und Seitenscheitel wirkt wie die männliche Personifikation der traurigen alten Jungfer. Sein Eigenbild ist jedoch ein vollkommen anderes: Seiner Meinung  nach ist Napoleon    eifersüchtig auf ihn, weil er täglich stundenlang mit „heißen Bräuten“ chatte. Außerdem, so erklärt er mit seiner weinerlichen Stimme, wisse Napoleon doch genau,  dass  er für eine Karriere als „Cagefighter“ trainiere.

Wer bei diesem Kip-Paradoxon schmunzeln muss, wird viel Freude an dem Film haben. Jede Figur in „Napoleon Dynamite“ bietet ein ganz eigenes Repertoire an Macken, Klischees und Widersprüchen, die dem Film ein freundlich bizarres Leben einhauchen. Dabei geht es nicht um laute Lacher oder um beißenden Spott. Der Humor funktioniert eher hintergründig und leise, über Irritationen und darüber, dass Absurdität und Normalität offensichtlich ihre Rollen getauscht haben.

 

Die Handlung ist sehr überschaubar und ähnlich ereignislos wie die triste Landschaft, in der der Film spielt. Napoleons Großmutter verletzt sich beim wilden Quadfahren in der Wüste und bittet Onkel Rico darum, nach dem Rechten zu sehen. Es folgt ein schrulliger Alltagswahnsinn, der sich aus dem Zusammenspiel von Kleinstadt und kauzigen Charakteren ergibt. Themen wie Liebe, Zukunftsträume, verpasste Chancen und Freundschaft durchziehen die Geschichte und vermitteln am Ende eine warmherzige Botschaft: Talente verbergen sich an den unmöglichsten Orten und wer sich traut, findet seinen Platz, ganz gleich wie abwegig und aussichtslos das zunächst erscheinen mag.

 

Napoleon Dynamite, der zunächst wie eine träge, geistig zurückgebliebene Karikatur seines Namen erscheint, ist eben doch ein Napoleon – ein Eroberer, nur ganz anders, als es herkömmlich üblich ist. Und bei seiner Tanz-Perfomance zum Schluss macht er auch seinem Nachnamen alle Ehre …

 

Fazit: „Napoleon Dynamite“ besticht mit schrägem Humor, liebevoll gestalteten Figuren und einer stimmig handlungsarmen Geschichte. Für alle Fans von absurder Schrulligkeit ist der Film ein absolutes Muss.