KURZGESCHICHTE | 28. April 2016

 

VERLIEBT 3

Annas Liebestraum-Variationen

„Du Mareike, sag' mal, wie heißt das Verb zu Limerenz?“

 „Was bitte?“

 „Na, Limerenz! Dieser extreme Zustand von Verliebtheit! Das bin ich nämlich: limerenzt. Oder limerenziert? Ach egal, ich bin einfach vollkommen verloren.“ Anna seufzte demonstrativ und ließ ihren Kopf in einer dramatischen Geste nach vorne fallen, so dass ihre blonden Locken über die Schultern rutschten.

„Anna, sag‘ mal, wovon redest du da eigentlich?“ Mareike hatte ihre Stirn gerunzelt und blickte Anna über ihre Brille hinweg kritisch an.

Anna hob ihren Kopf ein wenig, strich sich eine Locke aus dem Gesicht und referierte dann mit klagender Stimme:

 

Limerenz, die: eine übersteigerte Form der Verliebtheit, die sich der Besessenheit annähert. Das gesamte Denken wird von Gedanken an die begehrte Person beherrscht, häufig in Gestalt von Fantasien über unerwartete Begegnungen, das Zustandekommen einer Beziehung oder erotische Erlebnisse. Dabei werden die hohe Frequenz der sich mit der Verliebtheit beschäftigenden Gedanken sowie die Sehnsucht nach der Person häufig als leidvoll erlebt. Die Fantasien können die Realität überlagern und massiven Einfluss auf das Verhalten nehmen. Typisch für den Zustand der Limerenz ist außerdem eine extreme Schüchternheit gegenüber der begehrten Person.

 

Während ihres Vortrags hatte sich Anna ein dickes Kissen genommen und es zunehmend fester mit ihren Armen umklammert. Mareike lachte auf. „Ach komm, so schlimm kann es doch gar nicht sein“, sagte sie.

„Noch schlimmer“, stöhnte Anna und biss ins Kissen. „Überall sehe ich nur noch Tim. Ständig rast mein Herz, mir ist die ganze Zeit leicht übel und ich will so sehr, dass er mich beachtet, dass es körperlich weh tut. Aber wenn er dann mit mir redet, kriege ich kein Wort heraus und sage irgendetwas vollkommen Dämliches. Ich fühl‘ mich wie eine hormongeflutete 14-jährige. Es ist schrecklich. Und erst was ich alles so veranstalte … so peinlich ist das. Stell dir vor, ich bin eine richtige Stalkerin geworden. In jeder freien Sekunde gucke ich, ob er etwas auf Facebook gepostet hat. Ich habe mir sogar die Seiten von ALL seinen Freunden angeschaut, um so noch mehr über ihn zu erfahren. Und das sind über 200, Rieke. Ständig fahre ich an seiner Wohnung vorbei, um ihm“, Anna deutete mit ihren Fingern in der Luft  Anführungszeichen an, „zufällig zu begegnen. Ach, ich weiß nicht, was ich tun soll. Es wird immer schlimmer. So langsam fühl' ich mich reif für die Irrenanstalt.“

„Na gut“, lenkte Mareike ein. „Das hört sich wirklich schon ziemlich freakig an.“ Sie musterte Anna eine Weile mit gerunzelter Stirn. Wie konnte diese hübsche, begabte Frau sich bloß so verrennen? Dann fragte sie schließlich: „Was kann man denn gegen diese komische Limerenz tun?“

Anna guckte Mareike unglücklich an. „Also im Internet habe ich gelesen, dass man einfach den Kontakt meiden soll und dann wird es langsam immer besser. Aber das ist ja wohl keine Option. Du weißt doch, wie schwer es ist als Musiker eine Festanstellung zu bekommen.“ Dass sie außerdem niemals freiwillig auf Abstand gehen würde, behielt sie lieber für sich. Anna seufzte erst und schrie dann auf einmal laut in ihr Kissen. Nach einer Pause sagte sie dann leise: „Da steht aber auch, dass sich die Limerenz in eine ganz normale Liebe umwandelt, wenn es zu einer Beziehung kommt.“ Anna sah Mareike unsicher und fast lauernd an.

„Wieso guckst du mich denn so an?“ fragte Mareike. „Denkst du, ich sag' dir jetzt, dass ihr bestimmt zusammenkommt und unterstütz' dich noch in diesem Wahnsinn?“

Anna zuckte mit den Schultern und guckte traurig auf den Boden.

„Na ja“, sagte Mareike dann versöhnlich. „Unmöglich ist es ja nicht. Bei mir im Büro gab’s auch so einen Fall. Andreas – ich glaub', den hast du sogar mal kennengelernt, als du mich zur Mittagspause abgeholt hast… dieser smarte große Kerl. Dunkle Haare, blaue Augen… na egal. Der war jedenfalls ewig in Jana verschossen. Weißt du? Die mit mir im Büro sitzt. Jeder hat das gesehen, nur sie nicht. Sie hatte nur Augen für diesen Affen Tom, versteh' einer warum. Und mit Andreas hat sie immer einen auf Kumpel und beste Freunde gemacht. Der arme Kerl. Über Jahre hinweg hat er sie angehimmelt. Und dann, eines Tages, kamen beide auf einmal gemeinsam Hand in Hand zu spät zur Arbeit und haben gegrinst wie die Honigkuchenpferde. Das ist jetzt ein halbes Jahr her und die beiden sind sowas von verliebt und fest zusammen, dass es einem wirklich gewaltig auf den Keks gehen kann.“ Mareike lächelte Anna aufmunternd zu. „Vielleicht bist du ja auch so ein Andreas-Fall und Tim verliebt sich auf einmal Hals über Kopf in dich. Oder du bist ein Jana-Fall und da ist irgendjemand in deiner Nähe, den du gar nicht wahrnimmst, weil du so auf Tim fixiert bist.“ Anna zog die Augenbrauen zusammen und sagte düster: „Ich glaub‘, ich bin zu 100 Prozent ein Anna-Fall: unglücklich und absolut aussichtslos verliebt.“

„Ach je“, seufzte Mareike. „Ein besonders theatralischer Fall, das bist du.“ Anna zuckte wieder mit ihren Schultern und vergrub ihr Gesicht im Kissen.

 

Als Mareike kurz darauf gegangen war, setzte sich Anna sofort vor ihren Computer und klickte Tims Facebook-Profil an. Da war er wieder. Anna starrte sein Bild an und hatte das intensive Gefühl, er würde ihren Blick erwidern. Ja, er schaute sie doch an, genau sie. Jetzt in diesem Moment. Der Ausdruck seiner Augen ging ihr durch und durch. Sie seufzte. Da sah sie, dass sie eine neue Freundschaftsanfrage hatte: Jan Soundso. Ein gut aussehender Mann in Uniform. Sie schaute sich sein Profil an, das fast zu gut klang, um wahr zu sein und dachte an den Jana-Fall. Doch dann schüttelte sie den Kopf. Sie kannte den Typ gar nicht. Anna löschte kurzentschlossen die Freundschaftsanfrage und schaltete den Computer aus. Es war Zeit fürs Bett. Sie machte sich bettfertig und legte sich hin. Aus ihrer Nachttischschublade holte Anna einen Bilderrahmen, den sie vor Mareikes Besuch dort verstaut hatte. Jetzt nahm sie den Rahmen andächtig in die Hände, rieb mit einem Zipfel ihrer Bettdecke sorgfältig das Glas sauber, hauchte einen zarten Kuss auf das ausgedruckte Bild von Tim und stellte den Rahmen auf dem kleinen Tischchen an ihrem Bett ab. Sie schaute das Bild noch eine Weile an, schloss dann die Augen und traf ihn vor ihrem geistigen Auge sofort wieder. Anna stellte sich vor, sie würde ihm auf dem Sommerfest der Musikschule begegnen. Dort war er Musiklehrer, so wie sie auch. Er leitete den Chor, in dem sie selbst mitsang, gab Gesangs- und Cello-Unterricht. Sie unterrichtete Klavier und Flöte. Anna sah sich selbst in einem hübschen Sommerkleid mit tiefem Ausschnitt.

 

Um sie her wogten hohe Bäume im leichten Sommerwind. Die Sonne ließ die Farben strahlen und die Blumen intensiv duften. Anna fühlte sich sensationell schön. Das Kleid saß perfekt und ihr lockiges Haar sah genauso aus wie sie es immer wollte, aber nie hinbekam. Einzelne Strähnen hatten sich gelöst und umspielten ihr Gesicht. Ihre Lippen glänzten in einem rosigen Ton und ihre Augen leuchteten verführerisch. Sie sah einfach umwerfend aus. Da entdeckte sie Tim. Er starrte sie an. Unverwandt waren seine Augen auf sie gerichtet. Als sich ihre Blicke trafen, verzog er seinen Mund zu einem Lächeln. Er zeigte auf das Glas in seiner Hand und zog seine Augenbrauen fragend nach oben. Anna nickte. Sie hatte das Gefühl als würde ihr ganzer Körper vibrieren. Langsam und betont lässig ging sie auf ihn zu, wiegte sich dabei in den Hüften und schaute ihm mit leicht geneigtem Kopf lächelnd entgegen. Tim hielt ihr ein Glas entgegen und sagte mit leicht belegter Stimme: „Hey!“

Sie sagte gar nichts, nahm ihm das Glas ab und sah ihm glücklich ins Gesicht.

„G-gut siehst du aus“, stotterte Tim und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas. Dabei ließ er sie nicht aus den Augen. Um sie her zogen die süß schmelzenden Töne von Tschaikowskys Valse Sentimentale durch die Luft – einige Kollegen hatten spontan ihre Instrumente herausgeholt. Anna und Tim sahen sich in die Augen. Es fühlte sich an, als würden sie sich gemeinsam im Walzer-Rhythmus über die Wiese drehen oder als würde die Wiese um sie herum kreisen. Dabei standen sie ganz still. Blütenblätter wirbelten durch die Luft. Sonnenstrahlen warfen flirrende Schatten auf die Wiese. Die Musiker wechselten zu Schuberts Serenade. Wehmütige, liebliche Geigenklänge hüllten sie ein. Anna atmete tief ein, schloss die Augen und als sie sie wieder öffnete und in Tims Gesicht sah, waren sie sich ganz nah. Dramatisch und mit berührender Melancholie erklang Händels Sarabande als Tim sein Glas im Zeitlupentempo in die Luft warf und seinen Arm um ihre Taille schlang. Das Glas wirbelte unendlich lange in der Luft herum, der perlende Sekt zog in glitzernden Bahnen und Tropfen Kreise. Tim zog sie mit einem Ruck an sich heran, schaute ihr tief in die Augen, sekundenlang, minutenlang, stundenlang. Und dann, endlich, küsste er sie.

 

Anna seufzte wohlig auf und presste ihr Kissen innig an sich.

 

Sie stand alleine in einem Fahrstuhl. Aus dem Lautsprecher tönte leise Schumanns Liebestraum. Die Fahrstuhlwände waren komplett verspiegelt, der Boden mit rotem Teppich ausgelegt. Der Fahrstuhl hielt, die Tür öffnete sich, Tim trat herein und sah sie überrascht an. „Hallo“, sagte er. „So ein Zufall. Was machst du denn hier?“ Annas Herz folgte dem schnellen Wechsel der forte angeschlagenen Akkorde und raste den Sechzehntelnoten des Liebestraums hinterher. Währenddessen suchte ihr Kopf nach einer irgendwie intelligenten, verführerischen, überwältigenden Antwort und ihr Mund lächelte verlegen.

„Ich fahre Fahrstuhl“, sagte sie schließlich.

Tim grinste sie amüsiert an: „Ach so? Nur so als Hobby? Oder verfolgst du auch berufliche Ambitionen als Leistungs-Fahrstuhlfahrerin?“

Anna biss sich auf die Lippen. Bin ich blöd, dachte sie. Ich vermassele wieder alles. Dann sagte sie leise: „Normalerweise fährt außer mir niemand mit diesem Fahrstuhl. Und die Musik ist schön.“

Tim lachte kurz auf und sah sie dann mit einem nachdenklichen Lächeln von der Seite her an. Aus dem Lautsprecher tönte jetzt Yirumas River Flows In You. Tim und Anna schwiegen, während die sanften Klaviertöne in der kleinen Fahrstuhlkabine umherschwirrten. Es war schwierig, irgendwo hinzuschauen, ohne den anderen direkt anzublicken. In jeder Wand des Fahrstuhls spiegelten sie sich.

Tim sah sie irgendwann schmunzelnd im Spiegelbild an und sagte: „Du hast Recht. Die Musik, der Fahrstuhl, das hat was.“

Anna lächelte verlegen zurück und dachte: „Das ist nichts im Vergleich zu deinen Proben.“

Tim drehte sich erstaunt zu ihr um und Anna merkte erschrocken, dass sie laut gedacht hatte.

„Du hörst mir zu, wenn ich probe?“ fragte er sie überrascht.

Anna zuckte mit den Schultern und strich sich ihre blonden Locken hinters Ohr. „Wenn ich gerade keinen Unterricht habe und du im großen Proberaum übst, dann setze ich mich manchmal ganz nach hinten und hör' dir eben einfach zu.“ Das Geständnis war Anna so peinlich, dass sie es ihm wie einen Vorwurf entgegen schleuderte.

Tim schloss kurz die Augen. Dann atmete er tief ein und sagte leise: „Schade, dass du nie was gesagt hast“. Mit einem verlegenen Grinsen schüttelte er den Kopf. „Dann hätten wir gemeinsam üben können. Ich liebe es nämlich, wie du Klavier spielst.“

Jetzt drehte sich Anna verblüfft zu Tim. „Du weißt, wie ich Klavier spiele“, fragte sie. Gleichzeitig erklangen die ersten Takte von Johann Strauss Sohns Schöner blauer Donau.

„Ja. Denn weißt du, ich höre dir auch heimlich zu, wenn du übst.“

Anna schaute Tim verwirrt an. Er erwiderte ihren Blick und sah auf einmal überhaupt nicht mehr amüsiert aus. „Ich finde dich nämlich unglaublich bezaubernd“, sagte er nach einer gefühlten Ewigkeit.

Anna hatte das Gefühl, im Walzerrhythmus durch die Kabine zu schweben, die auf einmal ein großer Ballsaal war. Sie im umwerfenden Ballkleid, Tim im Frack, der sie fest in seinen Armen hielt und herumwirbelte … wirbelte … wirbelte ... wirbelte.

 

Anna hatte ihre Arme weit ausgebreitet und mit den Füßen die Decke von sich gestrampelt. Ab und zu summte sie im Schlaf einige Takte der Schönen blauen Donau. Schließlich drehte sie sich auf die Seite, zog die Decke wieder hoch bis unters Kinn und atmete einige Male tief ein und aus.

 

Anna stand unter der Dusche, ließ sich von dem warmen Wasserstrahl beregnen und hörte Paul de Sennevilles Mariage d’amour zu. Die Töne perlten wie Tropfen über ihre Haut und versetzten sie in einen Zustand süß schmerzenden Genusses. Sie hatte die Augen geschlossen und stand ganz still. Da klingelte es plötzlich schrill an ihrer Tür.

Mist, dachte sie und dann: Ach, ich mach' jetzt nicht auf. Schließlich erwarte ich überhaupt niemanden. Doch es klingelte noch einmal und noch einmal. Schimpfend schlüpfte Anna schließlich in ihren Bademantel und stapfte begleitet von der sehnsuchtsvollen Melodie zur Tür. Von ihren Haarspitzen tropfte es unaufhörlich auf den Boden. Hinter ihr zierten kleine Pfützen den Weg zum Badezimmer. Wütend riss sie die Tür auf und hielt dann erschrocken die Luft an. Da stand Tim, der sie nun auch seinerseits irritiert anstarrte.

„Äh, hallo Anna. Äh, ich, ähm, also, kann ich kurz reinkommen?“

Anna wurde rot und trat einen Schritt zur Seite. Überdeutlich war sie sich bewusst, dass sie unter dem Bademantel splitterfasernackt war. Das schien auch Tim klar zu sein, denn seine anfängliche Verwirrtheit, wich einem leicht anzüglichen Lächeln als er sie von oben bis unten musterte.

„Also was willst du“, patzte ihn Anna an. Wie sehe ich bloß aus, dachte sie dabei. Ungeschminkt, tropfnass und dieser alte Bademantel – sie wäre am liebsten im Boden versunken.

Tim räusperte sich. „Ähm, ja, also, wir haben in der Musikschule einen Notfall. Petra, unsere Pianistin für heute Abend – du weißt doch – unser Benefiz-Konzert. Na ja, jedenfalls ist Petra krank. Deshalb brauchen wir jetzt dringend jemanden, der für sie einspringen kann. Da habe ich an dich gedacht. Könntest du, ich meine hättest du , ähm also würdest du… ?“

Tim starrte auf ihr Dekolleté. Der Bademantel hatte sich etwas geöffnet und entblößte jetzt einen beachtlichen Teil ihrer nassen Brüste. Sie folgte seinem Blick und raffte mit blutrot angelaufenen Wangen ihren Bademantel zusammen. Dann fragte sie mit kläglicher Stimme: „Wieso kommst du denn auf mich.“

Diese Frage schien nun wiederum Tim in Verlegenheit zu bringen. Er schwieg eine kurze Zeit, als würde er die Situation abwägen wollen und schaute sie dabei unverwandt an.

„Weil“, sagte er dann schließlich und trat einen Schritt näher auf sie zu.

„Weil …“

Er machte noch einen Schritt und stand jetzt direkt vor ihr. Er beugte sich zu ihr herunter und flüsterte in ihr Ohr: „Weil ich eigentlich immer an dich denke.“

Wie von selbst rutschte in diesem Augenblick ihr Bademantel von ihren Schultern und fiel mit einem Rauschen zu Boden. Anna und Tim standen sich so nah gegenüber, dass sie sich fast berührten. Sie war vollkommen nackt, er vollständig angezogen. Beide atmeten deutlich hörbar ein und aus. Aus dem Badezimmer klang dunkel und leidenschaftlich der Anfang der Ungarischen Rhapsodie von Liszt. Tim sah Anna mit einem ernsten, aufgwühlten Gesichtsausdruck in die Augen, hob dabei in Zeitlupentempo seine Hände und ließ seine Fingerspitzen sanft ihre Arme hinuntergleiten. Dann strich er unendlich zart wieder nach oben, fuhr mit seinen Fingern über ihr Schlüsselbein und folgte dann einem Wassertropfen bis zu ihren Brüsten hinab. Anna stand da mit geschlossenen Augen und zitterte vor Aufregung am ganzen Körper. Die Rhapsodie steigerte sich zu überschäumender Freude, schwoll dramatisch an, wechselte zu leisen, hüpfenden Tönen. Zu den letzten Klängen des Stücks öffnete sie ihre Augen und blickte direkt in seine. Einige Sekunden war es still und sie schauten sich nur stumm an. Dann hörten sie die ersten getriebenen Töne von Karl Jenkins Palladio. Tim legte eine Hand in ihren Nacken, die andere glitt ihren Rücken hinunter zu ihrem Po. Mit einem festen Griff zog er sie zu sich heran und küsste sie, dass ihr die Luft wegblieb und sie jedes Gefühl in ihren Beinen verlor.

 

Es war Morgen. Anna schlug die Augen auf und fühlte den intensiven Empfindungen und der Erregung ihres Traums nach. Sie drehte sich auf die Seite und schaute Tims Foto an. Schmerzhafte, quälende Sehnsucht machte sich in ihr breit. Sie wünschte, sie könnte weiterschlafen. Schlafen und nie wieder aufwachen.

 

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